Was Eventmanager*innen von einem Jugendcamp lernen können
Ein Jugendcamp zu organisieren, bedeutet weit mehr als Trainingspläne, Hallenzeiten und Verpflegung zu koordinieren. Wer ein Jugendcamp wie das Winti-Handball Camp auf die Beine stellt, führt ein komplexes Projekt mit hoher Dynamik, vielen Stakeholdern und ständig wechselnden Anforderungen – ähnlich wie bei grossen Firmenevents oder Messen. Was können Eventmanager:innen von der Organisation eines Jugendcamps lernen? Wo überschneiden sich Führungsprinzipien, Mindset und Teamdynamik? Und welche Rolle spielt eine Location wie die Eulachhallen dabei?
Darüber haben wir mit Patrick Bösch, Leiter des Organisationskomitees des Winti-Handball Camps, gesprochen.

Wie bist du dazu gekommen, ein Jugendcamp zu organisieren – und was hat dich motiviert, diese Aufgabe zu übernehmen?
Dazu gekommen bin ich vor langer Zeit über das Trainerdasein – ich bin mit Leib und Seele Handballtrainer, mit Stationen bei Pfadi, Seen und Yellow. Meine erste Aufgabe ist die Digitalisierung der Anmeldung gewesen. Das hat den Prozess spürbar entlastet und Fehler reduziert. Aus diesem Engagement ist dann über die Jahre Schritt für Schritt die organisatorische Verantwortung gewachsen. Dass ich heute Leiter des Organisationskomitees bin, war eher Folge als Plan.
Was mich bis heute motiviert, ist zugleich die grösste Stärke des Camps: Wir sortieren die Kinder nicht aus, sondern entwickeln sie. Mit rund 180 Teilnehmenden in acht Trainingsgruppen gelingt es uns immer wieder, leistungshomogene Gruppen zu bilden – so fällt kein Kind ab und keines langweilt sich. Jedes wird auf seinem Niveau gefordert. Wenn ich sehe, wie ein Kind dadurch über sich hinauswächst, ist das der schönste Lohn für die Vorarbeit. Im Grunde steckt das alles in unserem Motto bei Winti Kids: «bewegt. verbindet. fördert.»
Wo siehst du die grössten Unterschiede – aber auch die wichtigsten Gemeinsamkeiten – zwischen der Organisation eines Jugendcamps und eines klassischen Firmenevents?
Ich will da gar nicht zu sehr die Business-Brille aufsetzen – aber ehrlich gesagt habe ich beruflich schon Projekte erlebt, die nie so rund liefen wie unser Camp. Dabei ist die Ausgangslage durchaus vergleichbar: viele Beteiligte – Kinder, Eltern, Trainer*innen, Sponsor*innen, die Hallen –, zahlreiche Abhängigkeiten und ein Plan, der nie ganz aufgeht. Die Gemeinsamkeiten sind klar: Beides lebt von sauberer Struktur und einem Team, das auch unter Druck zusammenhält.
Eine Gemeinsamkeit ist mir besonders wichtig: Kommunikation. Wer gut informiert ist, fühlt sich abgeholt – und ist allein deswegen schon positiver eingestellt und bereit, sich einzubringen. Das gilt für Eltern, die genau wissen, was auf ihr Kind zukommt, ebenso wie für ein Projektteam, das jederzeit den Stand der Dinge kennt. Das wird oft unterschätzt, dabei ist die Wirkung enorm.
Der entscheidende Unterschied – und vermutlich der Grund, warum das Winti-Handball Camp so gut funktioniert: Hier ist allen glasklar, worum es geht. Meine «Kundschaft» sind Kinder, die eine gute Zeit haben und dabei etwas dazulernen wollen. Das zwingt einen, vom Ergebnis her zu denken statt vom Ablauf. Genau diese Klarheit über das Wozu fehlt manchem Firmenprojekt – und oft scheitert es dann genau daran.
Im Camp läuft sicher nicht immer alles nach Plan. Welche Situationen haben dir gezeigt, wie wichtig Flexibilität und spontane Lösungen sind?
Wenn etwas nicht nach Plan läuft, zahlt sich vor allem eines aus: Puffer. Ich plane Anita und mich während der Campwochen bewusst so ein, dass wir immer Kapazität für Unvorhergesehenes haben – wir sind nicht bis auf die letzte Minute verplant. Anita verantwortet bei uns den ganzen Verpflegungsbereich – Znüni und Zvieri, Getränke, die süssen Goodies für den Staff –, aber wenn es darauf ankommt, packt bei uns jede*r dort an, wo es nötig ist.
Ein Moment ist mir besonders geblieben: Vor einigen Jahren verletzte sich ein Kind so, dass wir die Ambulanz rufen mussten. Während ich mit der Notrufzentrale telefonierte, nahm Anita bereits Kontakt mit den Eltern auf. Ambulanz und Eltern trafen fast zeitgleich in der Halle ein, das Kind war optimal versorgt. Die Eltern, die verständlicherweise etwas durch den Wind waren, haben wir gleich mitbetreut – das ist für uns selbstverständlich. Und die Trainingsgruppe konnte ungestört weitertrainieren, weil es für die Versorgung keinen zusätzlichen Einsatz brauchte.
Für mich steckt darin die ganze Lektion: ein bisschen Luft im Plan und klare Rollen im Ernstfall. Dann lässt sich fast alles auffangen, ohne dass das ganze Camp ins Stocken gerät.
Wie motiviert man Kinder und Jugendliche über mehrere Tage hinweg – und welche Parallelen siehst du zu Führungssituationen in Eventteams?
Kinder motiviert man nicht mit grossen Reden, sondern mit Abwechslung, kleinen Erfolgserlebnissen und dem Gefühl, gesehen zu werden. Jedes Kind soll spüren: Du gehörst dazu, und du wirst heute ein Stück besser. Entscheidend ist, sie dort abzuholen, wo sie stehen – wer auf dem richtigen Niveau trainiert, bleibt von selbst bei der Sache. Dazu kommen abwechslungsreiche, lehrreiche Trainings vom Staff und echte Highlights rund um die QHL-Mannschaft von Pfadi Winterthur und die SPL-Mannschaft von Yellow Winterthur: Sie besuchen uns im Camp, und wir gehen gemeinsam zu ihren Spielen – die eigenen Vorbilder so nah zu erleben, beflügelt die Kinder enorm.
Über allem steht aber ein einfaches Prinzip: Es muss allen Spass machen – den Kindern und Jugendlichen ebenso wie dem Staff und der Leitung. Wer Freude an einer Sache hat, bringt sich von selbst voll ein; das muss man nicht erzwingen. Genau darin liegt die Parallele zur Führung: Auch ein Eventteam läuft nicht auf Befehl, sondern auf Sinn und Begeisterung. Wenn die Stimmung stimmt und die Leute gern dabei sind, geben sie ihr Bestes – ob neunjähriges Kind oder erfahrene Fachkraft, das Grundbedürfnis ist dasselbe.
Vielleicht gehört zum Erfolg auch, dass ich mich selbst nicht in den Mittelpunkt stelle. Ich trage zwar die Verantwortung, gebe die Entscheidungsfindung aber immer mit ab – alle sollen so viel mitgestalten können, wie sie möchten. Genauso bin ich offen für Ideen und Anregungen, von den Kindern und Jugendlichen ebenso wie vom Staff und aus dem Umfeld. Denn die beste Organisation bringt nichts, wenn sich der Staff nicht eingebunden fühlt: Je grösser die Rolle, die jemand übernimmt, desto grösser das Engagement.

Wie entsteht im Winti-Handball Camp ein starker Teamgeist – und wie lässt sich dieser Spirit auf Business-Events übertragen?
Teamgeist entsteht aus gemeinsamen Erlebnissen, nicht aus Ansagen – denn geteilte Emotionen verbinden. Bei den Kindern sind es die Rituale: das gemeinsame Einlaufen zu Beginn und der gemeinsame Abschluss. Und weil die Mittagspausen gestaffelt sind, können die Gruppen einander beim Training zuschauen – das schafft Zusammenhalt weit über die eigene Gruppe hinaus.
Im Staff funktioniert es nach demselben Muster: das gemeinsame Kaffee und Gipfeli am Morgen, die Zeit zusammen nach dem Camp-Tag, das BBQ. Besonders wertvoll ist die Durchmischung – erfahrene «alte Hasen» neben 14- und 15-Jährigen, die zum ersten Mal in den Trainerjob hineinschnuppern. Davon profitieren beide Seiten. Was den Staff über all das hinaus verbindet, ist eine gemeinsame Idee davon, was wir den Kindern bieten wollen – haben alle dasselbe Bild vor Augen, zieht das Team von selbst in dieselbe Richtung.
Die wichtigste Grundlage ist für mich gegenseitige Rücksichtnahme, Wertschätzung und gemeinsame Werte. Diese Werte halten wir sogar in unseren Camp-Regeln fest: Wir sagen uns alle Du, niemand wird ausgelacht, und jede Gruppe hinterlässt ihren Tisch sauber für die nächste. Solche scheinbar kleinen Dinge – wie die Kinder miteinander umgehen, aber auch, wie sie der Hauswartung oder der Halle begegnen – prägen die Grundstimmung enorm. Wo man einander mit Respekt behandelt, entsteht eine positive Atmosphäre fast von selbst, und diese Grundstimmung trägt durch die ganze Woche.
Auf Business-Events lässt sich das eins zu eins übertragen: gemeinsame Werte und ein gemeinsames Ziel, an dem sich alle orientieren, dazu verbindende Rituale, Raum für informellen Austausch und bewusst gemischte Teams, in denen Erfahrene und Junge voneinander lernen. Spirit kann man nicht verordnen – aber man kann den Rahmen dafür schaffen.
Welche Rolle spielt die Location – in deinem Fall die Eulachhallen – für den Erfolg des Camps?
Die Eulachhallen sind für uns die ideale Location – etwas Besseres könnten wir uns für das Camp gar nicht wünschen. Zusammen mit den Rennweghallen geben sie uns den Raum, so viele Kinder und Jugendliche gleichzeitig am selben Ort zu betreuen, und genau dieses Zusammenspiel macht das Camp überhaupt erst möglich. Dazu kommt die zentrale Lage mitten in Winterthur, die für alle gut erreichbar ist.
Mindestens so entscheidend wie die Hallen sind die Menschen dahinter: Die Zusammenarbeit mit den Hauswarten ist durchwegs lösungsorientiert und gewinnbringend – sie denken mit, statt nur zu verwalten. Das macht die Woche am Ende zum Erfolg. Eine gute Location erkennt man eben nicht nur an den Quadratmetern, sondern daran, dass das Team dahinter mitzieht.
Wenn du Eventmanager*innen eine einzige Lektion aus dem Jugendsport mitgeben könntest: Welche wäre das?
Sorge dafür, dass es allen Spass macht – ausnahmslos. Im Jugendsport sieht man ungefiltert, was dann passiert: Kinder, Jugendliche, Staff und Leitung sind mit Freude dabei und bringen sich darum von ganz allein voll ein. Am Ende erinnert sich niemand an den perfekten Zeitplan – die Leute erinnern sich daran, wie sie sich gefühlt haben. Wer den Menschen in den Mittelpunkt stellt und nicht den Ablauf, dessen Anlass trägt. Der Rest ist Handwerk. Und damit dieses Handwerk besser wird, fragen wir uns nach jedem Camp ehrlich, was sich verbessern lässt – ganz gleich, wie gut es gelaufen ist.
Ob Sportcamp, Firmenanlass, Kongress oder Messe – erfolgreiche Events entstehen dort, wo Menschen, Organisation und Atmosphäre zusammenspielen. Genau dafür bieten die Eulachhallen den passenden Rahmen.
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